Vereins Chronik
1. Teil 1957 bis 1979

Im Jahre 1957 tat sich eine kleine Schar trommelfreudiger Männer um Ferdl Stork zusammen. Der ehemalige Tambourmajor und Militärtambour Sepp Guggemoos nahm sich dieser Gruppe an. Unter Mitwirkung von Sepp Pröbstl als Flötenexperte war automatisch die Verbindung zur Knappschaftskapelle hergestellt. Hermann Schnitzer übernahm die Ausbildung der Fanfaren. Bis zur Gründung des Zuges im Jahre 1958 lag noch ein steiniger Weg vor ihnen. Anfangs musste auch bei schlechter Witterung, mangels eines Proberaumes, im Freien geprobt werden. So dauerte es nicht lange bis die „Krachmacher“ von den Jägern weiter komplimentiert wurden, denn diese Akustik passte nicht in die Stille des Waldes. Das erste Probelokal war ein zugiger Stadel. Es ist wohl verständlich, dass im Winter, bei grimmiger Kälte nicht mehr viel Lust zum Proben war. So konnte der musikalische Stand nur langsam vorangetrieben werden. Beim Einkauf von „billigen“ Instrumenten wurden die kuriosesten Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel konnten für fünfzehn Deutsche Mark ein ganzer Rucksack Trommelflöten erworben werden. Beim Stimmen musste festgestellt werden, dass die Flöten zum Feuermachen gerade noch gut genug waren. Dass die Moral trotz allem gut war, muss den Gönnern Karl Hamberger, Sepp Pröbstl, Korbinian Wandinger sen., Sepp Guggemoos. Horst Seidl, Hermann Schnitzer, Georg Schwarz und dem Stork Ferdl verdankt werden. Bei der Fahnenweihe der Hubertusschützen am Pfingstmontag 1958 trat der neugeborene Spielmanns- und Fanfarenzug das erste Mal an die Öffentlichkeit.
Dank der freundlichen Unterstützung des Kohlenbergwerkes konnte nicht nur die Einkleidung, sondern auch die Instrumentalisierung rasch erfolgen. Von Seiten der Marktgemeinde wurde das Tragen des Ortswappens in den Fanfarentüchern genehmigt. Trotz allem gab es für die Verantwortlichen Arbeit und Sorgen genug. Doch das Selbstvertrauen wuchs. Aus diesem Grunde trat der Verein sofort dem Musikbund von Ober- und Niederbayern bei. Das Bezirksmusikfest in Diessen am Ammersee war der Einstand. Von da an knüpften sich Freundschaften an Freundschaften.
Die erste große Bewährungsprobe stellte das Bergfest 1958 dar. Unter der umsichtigen Betreuung unseres Josef Pröbstl und des Tambourmajors Sepp Guggemoos wurde diese Veranstaltung zu einem lebenswichtigen großen Erfolg. So wurden Kontakte um Kontakte geknüpft und viel gelernt. Der Kreis wurde immer größer, vom weiten Inland bis ins Ausland. Die schönsten Auftritte stellten immer die örtlichen Bergfeste dar. Das Fernsehen und eine große Menschenmenge waren anwesend. Auf Grund der Kontakte war es möglich, in Peißenberg ein eigenes Musikfest durchzuführen. Es waren nicht weniger als 47 Zugnummern im Festzug. Auf Grund der großen Aktivität konnte das 10-jährige Bestehen mit einem noch größeren Musikfest gefeiert werden. Für ein zufriedenes Publikum sorgten 67 Gruppen. Durch diese Kontakte führten die Fahrten nicht nur ins bayerische Oberland, sondern auch nach Niederbayern. Allgäu, Schwaben, nach Baden-Württemberg, zum Ruhrgebiet, in den Bayerischen Wald, dann in die Schweiz, Tirol, zweimal in die Bretagne an den Atlantik, nach Südfrankreich zum Mittelmeer, ins Salzkammergut, nach Südtirol usw.

Durch die Bergwerkschließung ergaben sich für den Verein große Umstellungen, die bis heute noch nicht überwunden sind. Trotz der schweren und gefahrvollen Arbeit im Bergwerk, die aber viel Freizeit brachte, konnte dem Vereinsleben intensiv nachgegangen werden. Da dieser Vorzug heute wegfällt, ist der Zug ausschließlich auf ganz junge Kräfte angewiesen, die zwar Vorteile, aber auch Nachteile mit sich bringen. So ist zum Beispiel der Vereinswechsel größer als er bei den aktiven Knappen war. Doch jahrelange Erfahrungen brachten beachtliche Erfolge ein. Es ist für den Bergknappen-Spielmanns-Fanfarenzug Peißenberg ein sehr erfreuliches Ereignis, dass von dem neu angesiedelten Betrieb, der Siemens AG, die Patenschaft übernommen wurde. Durch diese wertvolle Unterstützung wurde die Voraussetzung geschaffen, dass die geschäftliche Abwicklung für die Zukunft gesichert werden konnte. Ihr gebührt besonderer Dank und Anerkennung,
Dass diese Hilfe nicht umsonst war, bewiesen die vielen beachtlichen Erfolge. Bei den Wertungsspielen wurden nicht nur gute Plätze gesichert, sondern auch eine Vielzahl von Pokalen gewonnen.
Hier nur einige Großveranstaltungen: Landesmusikfest in Meran, Kantonalverbandsmusikfest in Schwaben (Schweiz), Landesmusikfest in Innsbruck, Landesmusikfest in Erlangen, Landesmusikfest in Memmingen, Landesverbandstreffen in Villingen, Kantonalmusikfest in Wiednau (Schweiz), das größte Trachtenfest in Westfrankreich, in Camber, Bretagne, das Landestrachtenfest in Furth im Wald und noch viele mehr.
Da der Bergknappen-Spielmanns-Fanfarenzug außer der Spielmannstradition auch das bergmännische Kulturgut erhalten und weiterführen möchte, hatte man sich entschlossen, dem Bayerischen Landesverband Berg und Hüttenmännischen Vereine anzuschließen. Dabei ergab sich aber ein noch viel größeres Verpflichtungsfeld, das durch erhöhten Einsatz und kameradschaftliche Zusammenarbeit bewältigt werden konnte. Ein besonderes Problem sind die oft unzumutbaren Anmarschwege ins norddeutsche Knappenrevier. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass zwar das Unmögliche erreicht werden kann, es aber dabei große organisatorische Probleme zu lösen gibt. Hier wäre der Einsatz eines Hubschraubers gut, um gewisse Voraussetzungen erfüllen zu können.
Sehr dankbar sind wir den benachbarten Zügen, die in überschneidenden Veranstaltungen oft für uns in die Bresche gesprungen sind. So hat sich das Ausbilden von benachbarten Zügen in jedem Falle zu Gunsten unseres Zuges ausgewirkt.
So ist es dem Bergknappen-Spielmanns-Fanfarenzug Peißenberg e.V. möglich, mit seiner Leistung seinem Heimatort eine Freude zu bereiten und ein Fest zu bieten, das Zeugnis ablegt von der Arbeit seines Wirkens, der Respektierung, die unserem Knappenzug von weither und aus vielen fernen Ländern entgegengebracht wird.
Diese Chronik wurde aus der Festschrift zum 1. Bundestreffen der Spielmannszüge 1973 in Peißenberg entnommen. Sie wurde von Ferdl Stork erstellt.
Chronik
2. Teil ab 1973
Nach umfangreichen Vorbereitungen konnte vom 7.-9. September 1973 das 15-jährige Bestehen des Bergknappen-Spielmanns-Fanfarenzugs Peißenberg 1958 e.V. mit Fahnenweihe gefeiert werden.
Verbunden mit dem 1. Bundestreffen der Spielmannszüge und den Bayerischen Badisch Württembergischen Spielmanns Freundschaftstreffen. Als auch 14.-16. September 1973 das erste Traditionsbergfest in Peißenberg, verbunden mit dem Landesverbandstreffen Bayerischer Knappen- und Hüttenvereine e.V. gefeiert wurde. Zu diesen beiden Festen waren Musikkapellen, Spielmannszüge sowie Knappenvereine und Trachtengruppen aus Oberbayern, Niederbayern, der Oberpfalz, Franken, Schwaben, Baden-Württemberg, Rheinland Pfalz, dem Ruhrgebiet, dem Saarland, Niedersachsen, Frankreich, Belgien, Lothringen, Holland, der Schweiz, Tirol, Salzburg und der Steiermark angereist. Da es auch der Wettergott gut meinte, wurden diese beiden Feste zu prächtigen und eindrucksvollen Erlebnissen. Doch traten schon bald kräftige Gewitterwolken am Finanzhimmel auf. Nur der kräftigen Unterstützung der Marktverwaltung, der Fa. Siemens und einiger anderer Förderer, die nicht genannt werden wollen, war es zu verdanken, dass der Spielmannszug weiterbestehen konnte.
Am 15. Dezember 1974 wurde eine neue Vereinsführung gewählt, die die Weiterführung des Vereins übernahm.
Das Vertrauen der Mitglieder erhielten:
Werner Will als 1. Vorsitzender,
Hans Holzer als 2. Vorsitzender,
Siegfried Schramm als Geschäftsführer,
Georg Lechner als 1. Kassier,
Anni Dodel als 2. Kassier,
Herbert Degner als Schriftführer,
Lothar Denner als 1. Tambourmajor,
Peter Tafertshofer als stellvertretender Tambourmajor; verantwortlich für Instrumente und Uniformen war Eduard Utzschneider sen. und für die musikalische Ausbildung, der Trommler Dieter Scholz,
der Pfeifer Fritz Ostwald,
der Fanfaren Ludwig Thoma.
Die wichtigste Aufgabe war es nun, den Zug wieder zu aktivieren. So beschloss man, mit dem traditionellen Neujahrs-Anspielen wieder an die Öffentlichkeit zu treten.
Um alte Freundschaften zu erhalten, besuchten wir unseren Patenverein, die Schützenkompanie Weißenbach in Tirol. Es galt aber auch, fleißig zu üben und proben, denn im Mai sollte beim 3. Bergmannstag in Bodenmais der „Bergmännische Zapfenstreich“ aufgeführt werden. Diese Aufführung brachte uns großen Erfolg und Anerkennung. Weitere Auftritte wie die musikalische Umrahmung der Fronleichnamsprozession in St. Barbara, eine Werbeveranstaltung der Wasserwacht in Murnau, beim Feuerwehrfest in Raisting, ein Standkonzert in Oberhausen, bei der 700-Jahrfeier in Penzberg und beim 20-jährigen Gründungsfest des Spielmannszuges in Rosenheim sorgten für den richtigen Aufschwung. Der Höhepunkt für den neu aufgebauten Zug war die Teilnahme am 2. Hessischen Bergmannstag in Borken. Die Beteiligung an der Leonhardifahrt und am Volkstrauertag war und blieb bis heute eine Selbstverständlichkeit. Den Jahresabschluss bildete die Weihnachtsfeier mit vielen Erinnerungen vom abgelaufenen Jahr.

Der Erlös des Neujahrs-Anspielens 1976 wurde benötigt, um Uniformen auszubessern, Bergmannstrachten, Instrumente und Noten anzuschaffen, denn für dieses Jahr wurde das Ziel hoch gesteckt. Neben umfangreichen Proben und mehreren kleinen Auftritten sollte auch das Zusammenspiel mit anderen Musikkapellen wieder aufgenommen werden. So wurde des öfteren mit der Bergknappenkapelle Marienstein Proben abgehalten. Im Mai traten wir dann gemeinsam mit den Mariensteinern beim 100-jährigen Gründungsfest des Knappenvereins Bildstock im Saarland auf. Einen ausgezeichneten Rang konnten wir beim 20. Bezirksmusikfest in Traubing erreichen. Weitere Auftritte folgten dann bei der 1200-Jahrfeier in Raisting, beim MTU Sportfest in Peißenberg, bei einer Wasserwachtveranstaltung in Weilheim, beim 50-jährigen Bestehen des Bergknappenvereins in Königstein, bei einem Schlossfest in Theuern bei Amberg, beim Feuerwehrfest in Ludenhausen und beim Sommernachtsfest der Wasserwacht in Peißenberg. Das Regimentsfest der Tiroler Schützenkompanien in Weissenbach wurde wiederum eine willkommene Gelegenheit, unser Können unter Beweis zu stellen.
Mit von der Partie waren wir auch bei der 1200-Jahrfeier des Klosters Andechs. Mit einer 7-tägigen Reise nach Frankreich in die Bretagne vertieften wir unsere Freundschaft zu dortigen Musik- und Folkloregruppen.
Für ihre Tätigkeit um das Spielmannswesen erhielten Vorstand Werner Will und 2. Vorstand Hans Holzer aus der Hand des Vizepräsidenten des Musikbundes von Ober- und Niederbayern, Max Kriesmair sen., die goldene Ehrennadel. Anne Dodel übernahm für den aus Gesundheitsgründen zurückgetretenen Georg Lechner das Amt des 1. Kassiers.
Das Jahr 1978 brachte kleine Änderungen in die Vorstandschaft. So wurde Hans Holzer zum 1. Kassier, Rosa Dunajski zu dessen Stelvertreterin und Fritz Ostwald zum Jugendbetreuer ernannt. Viel Arbeit wartete in diesem Jahr auf Vorstandschaft und Mitglieder, denn im September sollte das 20-jährige Gründungsfest gefeiert werden. Vorher galt es aber noch, eine große Anzahl von Auftritten zu bewältigen. So ging es zum 75-jährigen Gründungsfest des Bergarbeiterunterstützungsvereins nach Reichenbach.
Beim 5. Bundesmusikfest in Weilheim konnten wir einen 1. Rang in der Marsch- und Konzertwertung erreichen. Der nächste Auftritt war dann in Wackersdorf. Die 75-Jahrfeier des Knappenvereins Kropfmühl sowie die 100-Jahrfeier von Machtlfing und Forst waren noch willkommene Gelegenheiten, an die Öffentlichkeit zu treten. Endlich im September konnten wir dann das 20-jährige Bestehen des Zuges feiern. Mit Standkonzert am Rathaus und Bieranstich durch Bürgermeister Führler wurde das Fest eröffnet. Zum Totengedenken zogen der Spielmannszug und die bereits anwesenden Vereine am Samstag zum Kriegerdenkmal. Bei strahlendem Sonnenschein marschierten am Sonntag 26 Vereine, Musikkapellen und Spielmannszüge mit klingendem Spiel durch das festlich geschmückte Peißenberg. Zum Dank an dieses erfolgreiche Fest beschloss man, zu Gunsten der Aktion Sorgenkind einen Weihnachtsbasar zu veranstalten. Der Reinerlös dieser Veranstaltung waren 1.800,- DM, aus der Weihnachtsfeier kamen noch 200,- DM dazu. So wurden 2.000,- DM an die Aktion Sorgenkind überwiesen.
Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen war der Auftakt des Jahres 1979.
Werner Will wurde wiederum zum 1. und Hans Holzer zum 2. Vorstand gewählt. 1. Kassier wurde Benedikt Härtle und Stellvertreterin Rosa Dunajski. Das Amt des Schriftführers übernahmen Elfriede Thoma und Ute Schilcher. Tambourmajor wurde Leonhard Alt und Inventarverwalter Georg Lechner. Dessen Aufgabe war es, Uniformen und Instrumente neu zu erfassen, damit diese soweit nötig renoviert oder neu angeschafft werden können. Unter der neuen Stabführung ging es dann fleißig ans Lernen und Proben, denn größere Auftritte im In- und Ausland standen bevor. So ging es zu einem internationalen Bergmannstreffen nach Luxemburg und zum Landestreffen der Bayerischen Berg- und Hüttenmännischen Vereine nach Auerbach in der Oberpfalz. Dort wurde neben musikalischen Darbietungen, auch der Peißenberger Knappentanz aufgeführt und mit viel Beifall belohnt. Die nächsten Auftritte waren bei einem Musikfest in Gilching und einem internationalen Reit- und Springturnier in Achselschwang. Beim Bezirksmusikfest in Gilching konnten wieder ausgezeichnete 1. Ränge erspielt werden. Auch das Trachtenfest in Peißenberg war eine willkommene Gelegenheit, wieder an die Öffentlichkeit zu treten. Zum Jahresabschluss konnte noch die Jahreshauptversammlung der Bayerischen Berg- und Hüttenmännischen Vereine ausgerichtet werden, was wiederum neben den Proben und Auftritten viel Zeit zur Vorbereitung kostete.
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Bergknappen Spielmanns- und Fanfarenzug Peissenberg 1958 e.V.
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